Tabellarische übersicht über Verhütungsmethoden
Quelle: Zeitschrift Stiftung Warentest 11/92
| Methode/ Anwendungs- häufigkeit |
Zuverlässigkeit/ Pearl-Index |
Handhabung/ Akzeptanz | Mögliche Begleit- erscheinungen/ Nebenwirkungen |
Risiken | empfohlener Anwenderkreis |
| Knaus-Ogino (Kalender- Methode) | unsicher 18 |
Einigermaßen einfach, sollte - wenn überhaupt - erst nach 12 Zyklus-beobachtungen angewendet werden, ca. 10 - 12 Tage Enthaltsamkeit nötig oder andere Verhütung | keine | keine | Voraussetzung sind ein stabiler Zykus und die Akzeptanz der hohen Versagerquote mit Bereitschaft, eine ggf. eingetretene Schwangerschaft auszutragen. |
| Schleimbeobachtung | unsicher 15 - 25 |
Relativ einfach | keine | keine | Wegen geringer Zuverlässigkeit nicht zu empfehlen. |
| Symptothermale Methode (Temperatur-/ Schleimmeth.), NFP-Meth. Insg. 6 % |
relativ sicher ca. 2 |
Nicht ganz einfach, Unterweisung zur korrekten Führung und Interpretation der Temperaturkurven notwendig (Kurse, Beratungsstellen, Ärzte, reichliches Buchangebot), tägl. Temperaturmessung erforderlich. 9 - 10 Tage Enthaltsamkeit nötig oder andere Verhütung während dieser Zeit. | keine | keine | Frauen, die natürliche Alternative der Familienplanung suchen, Lust haben, ihren eigenen Körper kennenzulernen, geregelter Nachtschlaf (z.B. nicht Schichtarbeiterinnen), Partner müssen gut kooperieren und Abstriche an der Spontanität machen bzw. zusätzliche Methoden anwenden (z. B. Kondom) |
| Koitus interruptus 8 % |
unsicher 25 |
Insbesondere für die Frau schwer zumutbar, auch für den Mann nicht einfach, Anwendung ohne Vorbereitung und Mittel möglich. | keine | keine | Wegen geringer Zuverlässigkeit und der Nachteile für die Frau nicht zu empfehlen. Allenfalls Notlösung, wenn keine Mittel zur Verfügung stehen. |
| Kondom 25 % |
relativ sicher ca. 3 |
Sehr einfach, durch beide Partner zu handhaben, minimale Vorbereitung, keine Wartezeit, Anwendung nur bei Bedarf, praktisch kein Gefühlsverlust für den Mann (bei hochwertigen Produkten), preiswert und leicht verfügbar. | keine | nicht bekannt | Bei Verkehr mit wechselnden Partnern schon wegen des Infektionsschutzes (Aids, Geschlechtskrankheiten, Eileiterentzündungen) Mittel der 1. Wahl, besonders auch für Jugendliche, auch Frauen könnten es "für alle Fälle" bei sich haben. |
| Diaphragma, Portiokappe 3 % |
relativ sicher ca. 4 (mit Creme) bzw. ca. 7 (ohne Creme) |
Für Frauen unabhängig vom Partner zu handhaben, relativ einfach, jedoch individuelle Anpassung, Anleitung und übung notwendig, (Beratungsstellen, Frauengruppen, Ärzte), etwas Vorbereitung erforderlich, Wartezeit ca. 10. Min., Schutz für 2 Stunden, dann ggf. erneute Manipulation nötig. | keine | nicht bekannt | Frauen, die nebenwirkungsfreien, selbst anzuwendenden Schutz betreiben wollen, bei Verkehr mit wechselnden Partnern gewisser Infektionsschutz (nicht vor Aids). |
| Spirale (Intrauterin- pessar, IUP) 11 % |
relativ sicher ca. 2 |
Einlage sollte nur durch FrauenÄrzte erfolgen (Arztpraxis, Beratungsstellen); je erfahrener der Arzt, desto geringer die Komplikationen; kann ca. 5 Jahre in der Gebärmutter verbleiben, wird mit zunehmender Liegedauer nebenwirkungsärmer und sicherer. | Regelschmerzen, verstärkte Blutung, Blutungsstörungen (Entfernung in ca. 10 % notwendig) | Perforation (sehr selten, Eileiterentzündungen 3- 7 x häufiger, vor allem bei Frauen, die nicht geboren haben, Möglichkeit nachfolgender Unfruchtbarkeit. Bei Eintritt einer Schwangerschaft: ca. 50 % Fehlgeburten, gehäuft Eileiterschwangerschaften. Bei Austragung der Schwangerschaft keine erhöhte Mißbildungsrate zu erwarten. | ältere Frauen mit Kind(ern), fester Partnerbeziehung, abgeschlossener Familienplanung |
| Zäpfchen etc. 5 % |
mäßig sicher ca. 5 % |
Manipulation erforderlich, einfache Anwendung, Wartezeit 10 Minuten (Zäpfchen), Wirkdauer ca. 1 Stunde | Wärmegefühl in der Scheide | Methode, wegen mäßiger Zuverlässigkeit alleine nur bedingt zu empfehlen, besser in Kombination mit Kondom oder Diaphragma (auch wegen des Infektionsschutzes). | |
| Pille (Östrogen/ Gestagen) 62 % |
sicher ca. 0,5 % |
(fast) tägliche, vorsorgliche Einnahme erforderlich, Beginn nur einmal im Monat (während der Periode) möglich, ärztliche Untersuchungen und Verordnung nötig. | Scheidenentzündung, Blutungsstörungen, Brustspannen, Libidoveränderungen, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Hörstörungen, Gewichtszunahme, wegen niedriger Gesamthormondosis sind Nebenwirkungen bei 3-Stufen-Präparat seltener | Thrombosen und Embolien, arterielle Gefäßerkrankungen: Herzinfarkt, Schlaganfall (bei Raucherinnen über 30 Jahren), Bluthochdruck. Keine Risikoerhöhung für Gebärmutterkrebs, fraglich für Brustkrebs. | Frauen, die einen bequemen, vorsorglichen und sicheren medikamentösen Empfängnisschutz wünschen und eventuelle Nebenwirkungen und Risiken in Kauf nehmen. Therapeutischer Nutzen bei bestimmten Beschwerden und Krankheiten. Nicht für Raucherinnen über 35 Jahre. Vorsicht über 40 Jahre. |
| Minipille (Gestagen) 7 % |
relativ sicher 3 |
Wie Pille, Einnahme immer zur selben Tageszeit (+ 3 Stunden) notwendig, sonst unsicher | Zyklusstörungen, die sich oft nach Monaten normalisieren, vermehrt Eierstock zysten | Bei Versagen vermehrt Eileiterschwangerschaften | Frauen, die einen bequemen, vorsorglichen und relativ sicheren medikamentösen Empfängnisschutz wünschen und sich die erforderliche sehr exakte Einnahme zutrauen. Außer Zyklusunregelmäßigkeiten deutlich weniger Nebenwirkungen und Risiken als Pille. Nicht für Raucherinnen über 35 Jahre. |
| Sterilisation der Frau 6 % |
sicher ca. 0,2 |
Nach komplikationslos durchgeführtem Eingriff sehr komfortabel. | keine | Fast ausschließlich durch den Eingriff selbst, dabei überwiegend durch die Narkose (Sterblichkeit 1:10.000); Komplikationsrate (Organverletzungen, Blutungen) ca. 1-5%, bei Versagen vermehrt Eileiterschwangerschaften. | Frauen, die bereit sind, sich einmalig dem - allerdings mit gewissen Risiken behafteten - Eingriff zu unterziehen; ohne weiteren Kinderwunsch, mit fester Partnerbeziehung und Kindern, Alter über 35 Jahre. |
| Sterilisation des Mannes (Vasektomie) 1 % |
sicher ca. 0,1 |
Wartezeit 10 - 12 Wochen, Erfolg kontrollierbar, wegen der geringen Risiken der Sterilisation der Frau vorzuziehen, doch Vorbehalte und Ängste bei Männern. | Vorübergehend Schmerzen und kleinere Wundprobleme nach der Operation | nicht bekannt | Männer, die bereit sind, sich einmalig dem ambulant durchführbaren praktisch risikolosen Eingriff zu unterziehen, ohne weiteren Kinderwunsch, mit fester Partnerbeziehung und Kindern, Alter über 35 Jahre, der Sterilisation der Frau vorzuziehen. Deponierung von Sperma vor dem Eingriff möglich. |
| Pille danach 1 % |
mäßig sicher ca. 5 in Zyklusmitte |
Als Notmaßnahme (z.B. nach Platzen eines Kondoms), sehr einfach, ärztliche Verordnung und vorherige Untersuchung erforderlich (Frauenarztpraxis, evtl. Gynäkologische Abteilung in Krankenhäusern), bis 48 Stunden "danach" anwendbar, aber nicht mehrmals im selben Zyklus. | übelkeit, vorzeitige Regelblutung, Brustschmerzen | Keine Fruchtschädigung zu erwarten bei Versagen | Methode für den "Notfall", aber immer noch besser als eine Abtreibung. |
| Spirale danach | nicht bekannt | Wie Spirale, jedoch Zeitpunkt der Einlage (meist Zyklusmitte) nicht optimal, bis 5 Tage "danach" möglich, dann aber auch als Langzeitmethode | wie Spirale | wie Spirale | Methode für den "Notfall" empfehlenswert, wenn ohnehin ein Langzeitschutz gewünscht wird, siehe Spirale. |
